| Druckkonstanz bei Kompressionshandschuhen von Brandverletzten |
| Besonderheiten der thermischen Verletzung |
| Thermische Verletzungen stellen für die betroffenen Patienten nicht nur eine psychische Belastung dar, sondern sind in der Folge oft auch mit funktionellen Einschränkungen verbunden. Der normale Wundheilungsprozess ist bei thermischen Verletzungen gestört und mit der Bildung von Kollagenfasern verbunden, die nicht selten überschießend verläuft. Ohne Gegendruck kommt es zu einer regellosen Ansammlung der Kollagenfasern, die zu einer Hypertrophie oder einem Keloid führen. |
| Kompressionskleidung als erste Wahl |
| Die Narbenkompression mit Hilfe maßgefertigter Kleidung gehört deshalb heute zur Standardtherapie und stellt zugleich die erste Wahl der Behandlung dar, da sie die Notwendigkeit späterer rekonstruktiver Eingriffe minimiert und das ästhetische Erscheinungsbild verbessert. Die Kompressionskleidung erzeugt auf der Körperoberfläche einen flächigen Druck unter Berücksichtigung der Morphologie des menschlichen Körpers. Dadurch wird die Bildung flacher Narben unterstützt und eine parallele Ausrichtung der Kollagenfasern im Narbengebiet gewährleistet. Der medizinisch notwendige Kompressionsdruck sollte über dem kapillaren Druck liegen. Dies ist bei ca. 25 mmHg der Fall und entspricht laut der RAL-GZ 387 einem Druck der Kompressionsklasse 2. Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, ist eine frühzeitige Kompressionstherapie, beginnend nach Wundschluss, sowie konsequentes Tragen der Kleidung über 22 - 24 Stunden am Tag bis zur Ausheilung der Narbe erforderlich. Je nach Reifungsgrad der Narbe muss die Kompressionskleidung kontinuierlich über einen Zeitraum von sechs bis 18 Monate getragen werden. Bei Kindern kann diese Phase sogar noch länger sein. |
| Randomisierte Studie zur Entwicklung des Kompressionsdruckes |
| Aus
diesem Grund führte Frau Hirsch, Ergotherapeutin der BG Unfallklinik
Ludwigshafen, im Rahmen einer Diplomarbeit eine randomisierte Studie
mit Patienten durch, die durch ihren Unfall Brandverletzungen an den
Händen aufwiesen. Denn die Hände sind bei über 80 % aller schweren
Brandverletzungen betroffen. Nach Ermittlung der Ausschlusskriterien wurden 56 Patienten für die Studie herangezogen, davon 12 Frauen und 44 Männer im Alter von 18 bis 77 Jahre. Alle in die Studie eingeschlossenen Patienten wurden mit individuell angefertigten Kompressionshandschuhen der Firma Thuasne versorgt. Dabei wurde die Qualität Cicatrex® Nature verwendet. Diese zeichnet sich aufgrund der Verwendung von Langzugmaterial durch eine hohe Dehnungstoleranz aus, welche nicht nur für einen konstant flächigen Druck bei Umfangsänderungen bis zu 5 Prozent sorgt, sondern auch das Wechseln der Kleidung erleichtert. |
Zur Durchführung der Druckmessungen kam aufgrund der leichten Handhabung das Kikuhime-Druckmessgerät (TT Medi Trade, Soleddet 15, DK 4280 Soro) zum Einsatz. Die Kompressionsdruckmessung an der Hand erfolgte zu jeweils fest definierten Zeitpunkten: |
| Auswertung der Studienergebnisse |
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Die Druckmessung zu Therapiebeginn ergab einen Mittelwert von 14,73 mmHg. Die Abschlussmessung nach 3 Monaten Tragezeit lieferte einen Mittelwert von 13,02 mmHg. Daraus lässt sich ableiten, dass die Kompressionskleidung bei regelmäßiger Anwendung zu einem absoluten Druckverlust von durchschnittlich 1,71 mmHg führt. „Vergleichsstudien über einen Zeitraum von 3 Monaten liegen nicht vor. Jedoch ist dieses Ergebnis als deutlich besser zu bewerten als das Ergebnis in der Untersuchung von Cheng et al, bei der ein Druckabfall von 50 % nach vier Wochen beobachtet wurde.“1 |
| Berücksichtigung von Einflussfaktoren | ||||||||||
1. Ein Faktor bezieht sich dabei auf die tägliche Tragedauer der Kompressions- handschuhe. Probanden, die ihren Handschuh länger als 12 Stunden pro Tag getragen hatten, wiesen einen höheren Druckverlust auf. Deshalb werden Patienten während der Narbenkompressionstherapie i.d.R. mit zwei Garnituren ausgestattet, um ein konsequentes Tragen der Kleidung sicherzustellen. |
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Aufgrund dieser Besonderheit bei der Hand bietet der Hersteller Druckpelotten aus Latex- und Memoryschaum an, die partiell in die Kompressionskleidung eingearbeitet werden und somit zu einer besseren Druckverteilung beitragen. 3. Ferner wurden die Messungen in Ruheposition der Hand durchgeführt, sodass hier nur der Ruhedruck ermittelt wurde. Ist der Patient jedoch aktiv, so kommt es durch die Muskelanspannung zu einer Erhöhung des Kompressionsdruckes – dem so genannten Arbeitsdruck. Eine abschließende Beurteilung der Druckverhältnisse, die beim Wechsel zwischen Arbeits- und Ruhedruck herbeigeführt werden, kann mit den vorliegenden Ergebnissen nicht vorgenommen werden. |
| Akzeptanz und Patientenurteil |
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Narbenkompressionskleidung muss nicht nur den medizinisch erforderlichen Druck gewährleisten, sondern mit ihren Trageeigenschaften auch für eine hohe Compliance beim Patienten sorgen. Denn nur wenn den ganz unterschiedlichen Bedürfnissen und Anforderungen der Patienten und der Ärzte Rechnung getragen und die Kompressionstherapie konsequent angewendet wird, ist ein optimales Ergebnis gewährleistet. Aus diesem Grund schloss die Studie auch eine Patientenbefragung mit ein, um einen Zusammenhang zwischen den gemessenen Druckwerten und dem Trageverhalten herstellen zu können. Dabei muss zunächst die Frage geklärt werden, wie oft der Kompressionshandschuh von den Probanden getragen wurde. 63,6 % der Patienten gaben dabei an, den Handschuh täglich mehr als 12 Stunden zu tragen, 50 % davon sogar länger als 18 Stunden. 27,3 % der Teilnehmer trugen die Kompressionsware 6 bis 12 Stunden und 9,1 % der Patienten maximal 6 Stunden pro Tag. „Bei der Zufriedenheit mit dem Handschuh im Großen und Ganzen lagen 9 % der Antworten im mittleren Bereich (mit der Tendenz zur Zufriedenheit), 36,4 % im zufriedenen und 54,6 % im sehr zufriedenen Bereich.“2 In Bezug auf den Tragekomfort des Kompressionshandschuhs urteilten 9,1 % der Probanden neutral, 40,9 % mit „gut“ und weitere 50 % waren sehr zufrieden. Im Resultat ist ein signifikanter Zusammenhang zwischen der täglichen Tragezeit und der Höhe der Druckminderung erkennbar. Und auch im Hinblick auf die optische Beurteilung der Narbe durch den Patienten wurden gute Ergebnisse berichtet. 90,9% der Teilnehmer äußerten, dass die Kompressionsbekleidung einen positiven Einfluss auf das Narbenbild hatte; nur 9,1% der Probanden sahen keinen Zusammenhang zwischen Kompressionshandschuh und dem Aussehen der Narbe. |
| Zusammenfassung und Ausblick |
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„Die Kompressionstherapie gehört unbestritten seit Jahrzehnten zum Standard in der Behandlung brandverletzter Patienten. Durch den konstanten Druck der Kompressionsbandagen über 22 - 24 Stunden täglich können Narbenbildungen vermieden bzw. vermindert werden.“3
Der in der Studie nachgewiesene Kompressionsdruck liegt – vergleicht man ihn mit Ergebnissen anderer Untersuchungen – im therapeutischen Rahmen. Um jedoch die Druckentwicklung von Kompressionskleidung an verschiedenen Körperarealen nachweisen und beurteilen zu können, sind weiterführende Studien notwendig.
Verfasserin: Nadine Woldert, Produktmanagerin Kompressionstherapie, THUASNE Deutschland GmbH, Burgwald
Quellenangabe: 1,2,3 Hirsch, Ute: Zur Überprüfung des Zusammenhangs zwischen der Druckkonstanz bei Kompressionshandschuhen und ausgewählten Variablen des Patientenverhaltens. Diplomarbeit, Ludwigshafen 2007
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