| Generelle Wirkungsweise und Wirkungsfaktoren von Bandagen und Orthesen - Teil 1 | ||||
|
Die Wirkung von Bandagen und Orthesen beruht auf mehreren Faktoren, die in der Regel nicht isoliert, sondern in Kombination wirken. Je nach Konstruktion und Funktion des Hilfsmittels können dabei aber einzelne Faktoren stärker in den Vordergrund rücken:
Kompression
Typisches Merkmal von elastischen Bandagen ist ihre komprimierende Wirkung.
Kompression bedeutet: Ausübung von Druck auf das darunterliegende Gewebe.
Klammert man Geräte zur intermittierenden Kompression aus, so kann Kompression passiv durch elastische Materialien oder aktiv durch Muskelarbeit aufgebaut werden. Voraussetzung ist, dass die entsprechenden Körperteile durch eine eng anliegende, schlauchförmige Hülle zirkulär umfasst werden.
Bei entspannter Muskulatur, also im Ruhezustand, hängt die Kompressionsstärke von den elastischen Eigenschaften und vom Dehnungsgrad des Materials ab. Eine große elastische Rückstellkraft und starke Dehnung ergeben eine hohe Kompressionswirkung - einen hohen Ruhedruck. Bei Kontraktion des Muskels, also im Arbeitszustand, vergrößert sich der Muskelquerschnitt. Die schlauchförmige Hülle setzt der Ausdehnung des Muskels einen Widerstand entgegen. Dieser Gegendruck ist umso größer, je stärker das Ausdehnungsbestreben des Muskel und je weniger nachgiebig die Hülle ist. Starke Ausdehnungskraft und unnachgiebiges, unelastisches Material führen damit zu einem hohen Arbeitsdruck. Dieser kann z. B. im Wadenmuskel mehr als 300 mm Hg erreichen, wobei hier die nahezu unelastische Muskelfaszie als „körpereigener Kompressionsstrumpf“ wirkt. Auf diese Weise kann der Wadenmuskel zum Hilfsherz werden und den venösen Rückstrom verbessern.
Die Bedeutung der Kompression liegt in folgenden Punkten:
Das Ödem ist ein Schwellungszustand, der durch eine Vielzahl von Ursachen hervorgerufen werden kann. Dazu gehören Thrombose, Herz- und Nierenerkrankungen ebenso, wie lokale Gewalteinwirkungen wie Zerrungen, Verrenkungen und Verstauchungen. Diese können zur Zerstörung von Blut- und Lymphgefäßen sowie von Zellmembranen führen und Schwellungszustände hervorrufen. Gemeinsames Merkmal des Ödems ist der verstärkte Einstrom von Flüssigkeit in den interstitiellen Raum. Kompression erhöht den Druck im Interstitium und unterstützt den Rückstrom dieser Flüssigkeiten in die Kapillaren und feinen Lymphgefäße. Dieser Prozess wird vermutlich durch die Veränderung der Durchlässigkeit der Kapillarwände unterstützt. Der Einfuß von Kompression auf den Blut- und Lymphstrom gehört zu den grundlegenden Wirkungen der Kompressionstherapie und den am besten untersuchten Wirkungsmechanismen. Bei der Anwendung von Kompressionsbandagen in der Orthopädie wird die rheologische Wirkung in der Regel auf ein bestimmtes Gelenk fokussiert und durch den Einsatz von Pelotten verstärkt. Dabei wird angestrebt, dass die gesamte Gelenkregion komprimiert wird und keine Kompressionsfenster entstehen. Wichtig ist zudem, dass vor allem die Weichteile des Gelenks, wirksam und wenn möglich intermittierend komprimiert werden. Die intermittierende Kompression entspricht dem Wechsel von Ruhe- und Arbeitsdruck der Wadenpumpe. Sie verbessert die Versorgungslage im Gelenk und unterstützt den Abbau von Schwellungen und Ergüssen.
Entlastung:
Mechanische Entlastung hochbeanspruchter Teile des Bewegungsapparates; beispielsweise kann der Achillessehnenansatz durch leichte Spitzfußstellung mittels Fersenkeil entlastet werden. |





































